Studie "Konstruktiv-kritischer Umgang mit KI"
Im digitalen Zeitalter nimmt die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) Schulen stetig zu. Schüler:innen auf der Sekundarstufe II bekunden, dass sie KI-Tools, wie bspw. KI-gestützte Textgeneratoren wie ChatGPT, verstärkt nutzen. Für Lernprozesse birgt dies Risiken und zugleich Chancen. So besteht ein Risiko darin, dass Schüler:innen Texte mit ChatGPT erschliessen lassen, ohne dass ein tiefes Verstehen des Inhaltes sowie eine Reflexion stattfinden. Oder aber sie übernehmen Antworten auf fachliche Fragen ohne die Glaubwürdigkeit von Quellen kritisch zu prüfen. Dies betrifft insbesondere leistungsschwächere Schüler:innen, die über wenig fachliches Wissen, geringe Lesekompetenz und eine geringe Selbstwirksamkeit im Umgang mit digitalen Tools verfügen.
Wird die kritische Nutzung von ChatGPT durch Lehrpersonen im Unterricht jedoch didaktisch angeleitet, so können wiederum Chancen für individuelles Lernen und die besondere Förderung leistungsschwächerer Schüler:innen entstehen. Besonders geeignet für das Einüben einer reflektierten Nutzung von KI sind problembasierte, kollaborative Lernarrangements. KI kann in solchen Settings Zugang zu vielfältigen Ressourcen schaffen und eine interaktive Arbeitsweise der Lernenden fördern.
Wie ein kritischer Umgang mit ChatGPT gelingen kann und wie Lehrpersonen ChatGPT in ihren Unterricht gewinnbringend implementieren können, ist weitgehend unbeantwortet Diese Situation verdeutlicht die Notwendigkeit einer systematischen Erforschung von KI-gestützten Textgeneratoren im Deutschunterricht, um allen Schüler:innen Kompetenzen zu vermitteln, KI reflektiert und verantwortungsvoll zu nutzen. Im Frühjahr 2025 wird eine Interventionsstudie durchgeführt, die darauf abzielt, Schüler:innen auf der Sekundarstufe II durch eine didaktische Instruktion zum kritischen Umgang mit KI anzuleiten und dies sichtbar zu machen. Dazu erhält eine Gruppe an Schüler:innen eine didaktische Instruktion zur kritischen Nutzung von ChatGPT, bevor eine problemorientierte Aufgabenstellung aus dem Deutschunterricht gelöst wird.
Studie LiLesK "Literarisch-orientierte Strategien für das Verstehen von Kurzprosatexten"
Die fortschreitende Digitalisierung ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Im Deutschunterricht werden entsprechend vermehrt digitale Texte eingesetzt, darunter literarische Texte, die zur Persönlichkeitsbildung beitragen und motivationsförderlich sein können. Klare Handlungsanweisungen für den Einsatz im Unterricht fehlen aber, da die Anzahl an Studien mit literarischen Texten gering ist.
Meta-Analysen zeigen, dass papierbasierte längere (Sach-)Texte vorteilhafter sind und der digitale Lesemodus ein oberflächliches Lesen hervorruft (Clinton, 2019; Delgado et al., 2018). Ein Moduseffekt auf das Verständnis literarischer Texte konnte bei Primarstufenschüler:innen und Studierenden nicht nachgewiesen werden (Delgado et al., 2018). Offen ist bis dato, ob die Befunde auf ältere Schüler:innen und anspruchsvollere literarische Texte übertragen werden können. Zudem wurden strategische Verarbeitungsprozesse kaum beleuchtet. Prozessnahe elaborierende Textspuren, mitunter Markierspezifika und Annotationen könnten näheren Aufschluss geben. Ziel der Studie ist daher zu untersuchen, wie anspruchsvolle Kurzprosatexte im Print- und digitalen Modus verarbeitet und verstanden werden und was erfolgreiche strategische Leser:innen kennzeichnet.
Projektleitung "Hör- und Leseverstehen von Texten im Audio- und Printformat"
Das Forschungsprojekt Hör- und Leseverstehen von Texten im Audio- und Printformat (HörLeT) wurde als interdisziplinäres Projekt in Kooperation der Leuphana Universität und der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt. Das Projekt baut auf vorherigen Erkenntnissen in zwei DFG-Projekten zur Bedeutung von Textkohäsion auf das Leseverstehen auf (u. a. Schmitz, 2016; Schmitz et al., 2017). Das Projekt HörLeT hat sich die Untersuchung der Wirkung von sprachlichen Textmerkmalen, wie der Textkohäsion, auf das Hör- und Leseverstehen zum Ziel gesetzt und hat zunächst die Bedeutung von sprachlichen Lernvoraussetzungen von Schüler*innen auf gelingendes Hörverstehen untersuchen. Analysiert wird, wie gut ein kohäsiv und ein wenig kohäsiv gestalteter Hörtext von Lernenden mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen in der Sekundarstufe I verstanden wird. Die gewonnenen Erkenntnisse geben Aufschluss darüber, welche Bedeutung sprachliche Merkmale der Textkohäsion auf das Verstehen eines über einen Audiostimulus dargebotenen Sachverhaltes haben, um Lernsituationen mit Hörtexten bestmöglich zu gestalten.
Publikation
Schmitz, A., Brandt, H. & Rothstein, B. (2023). Impact of global text cohesion on students’ listening comprehension of informational listening texts. Pedagogical Linguistics. https://doi.org/10.1075/pl.23002.sch
Projektbeteiligte
Leuphana Universität Lüneburg: Prof. Dr. Anke Schmitz (Projektleitung) Dr. Hanne Brandt (Projektleitung), Annalena Bollhof, Rieke Beythien & Carlotta Leu (studentische Assistenz)
Ruhr-Universität Bochum: Prof. Dr. Björn Rothstein (Projektleitung)
Studie "Strategien und Textsorten"
Zielsetzung der Studie war die erste empirische Analyse von textsortenspezifischen Lesestrategien. Bislang gibt es nur Evidenz zu wirksamen Lesestrategien beim Lernen aus Sachtexten (vor allem im MINT-Bereich), aber keinen empirischen Aufschluss darüber, mit welchen Lesestrategien literarische Texte im Fach Deutsch zielführend erschlossen werden, was den strategischen Leseprozess vom strategischen Sachtextlesen unterscheidet oder verbindet. Die Erkenntnisse sind bedeutsam, um sowohl schulische Lesefördermaßnahmen als auch die universitäre Lehrkräftebildung im Fach Deutsch verbessern zu können. Erste Ergebnisse aus einer Vorstudie wurden auf zwei internationalen Konferenzen und in einer Publikation veröffentlicht.
Publikation
Schmitz, A. & Dannecker, W. (2023, in press). Strategies for expository and narrative texts. Students’ perspectives on text type-specific cognitive and metacognitive reading strategies. L1 Educational Studies in Language and Literature.
Projektbeteiligte
Leuphana Universität Lüneburg: Prof. Dr. Anke Schmitz (Projektleitung), Carlotta Leu, Emily Steuer & Annalena Bollhof (studentische Assistenz)
Universität zu Köln: Prof. Dr. Wiebke Dannecker (Projektleitung)
Projektmitarbeiterin DFG-Projekt Temporale Kohäsion und Gattungserwartungen, Phase II (2014-2016)
Hauptverantwortliche Mitarbeiterin in der zweiten Phase des interdisziplinären DFG-Projekts „Der Einfluss der Textkohäsion auf das Textverständnis: Unter welchen Bedingungen wirken temporale Kohäsionsmarker?“ (Projektleitungen: Prof. Dr. Cornelia Gräsel und Prof. Dr. Björn Rothstein)
Projektmitarbeiterin DFG-Projekt Textkohäsion bei expositorischen und literarischen Texten, Phase I (2012-2014)
Hauptverantwortliche Mitarbeitein in der ersten Phase des interdisziplinären DFG-Projekts „Textkohäsion als Bedingung des Leseverständnisses am Beispiel der Verarbeitung von expositorischen und literarischen Texten“ in Kooperation mit der Literaturdidaktik der Ruhr-Universität Bochum (Projektleitungen: Prof. Dr. Cornelia Gräsel und Prof. Dr. Gerhard Rupp)
Anke Schmitz